Umgang mit Aggression & Gewalt – (k)ein Thema?!

Umgang mit »herausfordernden Verhaltensweisen« von Menschen mit Behinderungen

Ein Beitrag von Melanie Lindemann

Der Umgang mit aggressivem Verhalten, einhergehend mit Angst & Hilflosigkeit seitens aller Beteiligten, ist ein Thema, das mittlerweile fast alle Bereiche der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen erreicht hat.

Ob stationär oder ambulant, ob wohnen oder Werkstatt, ob in der Beratung oder bei Freizeitangeboten – in allen Tätigkeitsfeldern werden Mitarbeitende vor die besondere Aufgabe gestellt, einen Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen von Menschen mit Behinderungen zu finden.

Der Gedanke liegt nahe, die Aktualität dieses Themas auf eine neue, bisher noch nicht da gewesene Aggressions- und Gewaltbereitschaft zurückzuführen. Doch wenn wir bewusst einen Blick zurück werfen, wird sichtbar, dass dieses Thema immer allgegenwärtig war, jedoch häufig nicht thematisiert oder bewusst angeschaut wurde.

Diese Gegebenheit wird heute im Zuge von Instrumenten wie Supervision und konkreter Teilhabeplanung erkannt sowie anerkannt – und dies nicht ohne Grund: Aggressive Verhaltensweisen hinterlassen Spuren an Körper, Seele und Geist, bei allen Beteiligten. Die sichtbaren Spuren wie zum Beispiel in Form von körperlichen Verletzungen lassen sich meistens gut behandeln. Die zunächst unsichtbaren Spuren wie Angst, posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS), Störungen im Verhältnis zwischen Klienten und Mitarbeitenden & Ohnmacht sind jedoch jene, die besonders nachhaltig sind und weitreichende Folgen für die Mitarbeitenden, die Klienten sowie das gesamte Unternehmen haben können bis hin zu einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit und Burn-out-Diagnosen.

Jeden Tag mit dem Gedanken aufzuwachen, vielleicht bedroht zu werden ohne handlungsfähig zu bleiben, kann dauerhaft, ohne fundiertes Handwerkszeug & fachliche Unterstützung, nicht gesund sein für Motivation, Leidenschaft und Grundhaltung allerseits.

Damit Mitarbeitende sozialer Einrichtung die Zusammenarbeit mit ihren Klienten in wertschätzender und humanistischer Weise gestalten können, sind sie auf einen regelmäßigen fachlichen Input angewiesen. Fachlich meint nicht nur Wissen über die Entstehung & Ursachen von Aggressionen, sondern auch Instrumente welche dabei helfen, auch eigene Emotionen zu erkennen und anzunehmen. Nicht selten sind Mitarbeitende der Annahme, dass Emotionen wie Wut oder Angst ein Merkmal fehlender Professionalität seien. Das Ergebnis: Die unbearbeiteten Emotionen steuern aus dem Verborgenen das eigene Handeln und vor allem die eigene Grundhaltung. Fachliche Foren unterstützen Mitarbeitende dabei, sich ihrer Gefühle & Anteile bewusst zu werden mit dem Ziel, nicht nur die Krise zu sehen, sondern auch den Klienten in seiner Not und im Rahmen seiner fehlenden Möglichkeiten, sich anders ausdrücken zu können, adäquat zu unterstützen.
Unser Fazit:

Aggression ist aus unserer Sicht niemals ein gemein(t)es Verhalten – sondern immer ein Zeichen von Ohnmacht und eine ungesunde Form einer erlernten Überlebensstrategie. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie v.a. Ihre Klienten, aber auch Sie als Mitarbeitende andere Wege begehen können.